Rezension des Buches »Sterbefasten« von Christiane zur Nieden

Christiane zur Nieden, ist ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiterin sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat ihre Mutter beim Sterbefasten begleitet. Über ihre Erfahrung damit berichtet sie im ersten Teil des gerade im Mabuse-Verlag erschienenen Buches »Sterbefasten: Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – Eine Fallbeschreibung«, sehr mitfühlend und teilweise anrührend. Dabei beginnt sie mit dem Ende und beschreibt danach, in einer Art Tagebuch, wie sie anfänglich mit sich gekämpft hat, als sie es noch nicht wahr haben wollte, und was sie versuchte um ihre Mutter davon abzubringen. Letztendlich hat sie den freiverantwortlichen Willen ihrer Mutter dann doch akzeptiert und alles in ihrer Macht stehende getan, um es ihr so angenehm wie möglich zu machen.

Welche Höhen und Tiefen dabei durchzumachen waren, deutet eine Aussage der Enkeltochter an, die meinte: »Das ganze Geschehen hier hat etwas von einem absurden Theaterstück, in dem Oma Regisseur, Intendant und Clown spielt.« Dass der so dem Tod entgegenschreitende Mensch selber auch noch neue Erkenntnisse machen kann, bringt die Oma durch diese Empfehlung zum Ausdruck, als sie lächelnd sagte: »Trink das nächste Glas Wasser mit Genuss, ich habe es zu oft ohne Achtsamkeit getrunken.«

Der zweite, etwas umfangreichere Teil, beschäftigt sich mehr theoretisch mit dem Thema. Ihr Mann, der Arzt für Allgemein- und Palliativmedizin Hans-Christoph zur Nieden, steuert in einem Kapitel seine ärztliche Sicht auf das Sterbefasten bei. Es wird die optimale Mund-, Schleimhaut- und Augenpflege ausführlich beschrieben, die Vorteile einer Dekubitusmatratze, sowie die zu erwartenden Veränderungen bei den Ausscheidungen.

Weiter wird die rechtliche Situation, einschließlich der Veränderung durch den neuen § 217 erörtert und Empfehlungen für die rechtliche Absicherung gegeben. Dazu sind im Anhang Formulare für eine Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Modifikation der Garantenpflicht abgedruckt.

Das Buch ist sorgfältig mit Referenzen versehen und hat einen von ihrer Tochter gemalten, sehr schönen Einband. Wer erwägt sein Leben zu beenden, kann hier eine Anleitung finden, die hilft die Vor- und Nachteile abzuwägen und notfalls die richtigen Entscheidungen zu treffen. So kann unnötiges Leiden vermieden und verhindert werden, dass Dritte traumatisiert werden. Das Taschenbuch hat 171 Seiten, kostet 19,95 Euro und hat die ISBN 978-3-863-21287-2.

Frank Spade