FVNF-Fallbeispiele

Vorbemerkungen

In manchen Fällen wird das Geschlecht der verstorbenen Person absichtlich nicht genannt, damit Anonymität besser gewährleistet ist.

Zur medizinischen "Vorgeschichte“ soll besagen: ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne hohe Genauigkeit (auch in der Terminologie), denn die Beschreibungen richten sich NICHT in erster Linie an Ärzte.

„Motivation“ soll den oder die Hauptgründe für den Sterbewunsch erkennen lassen.

„Angehörige“: Es wird manchmal der Plural verwendet, auch dann, wenn es sich nur um eine einzige Person gehandelt hat.

Fall 1: Alter: 83; Geschlecht: weiblich; Ort: Pflegeheim (NL)

Persönlichkeit: Vital-sportlich; sehr gepflegtes Äußeres; gut und anspruchsvoll sozialisiert; sehr auf Autonomie bedacht.

Vorgeschichte: fortgeschrittene Parkinsonsche Krankheit: konnte nicht mehr aufstehen; Schluckbeschwerden, Verschleimung, z. T. mit  Erstickungsanfällen; soziale Isolierung auch wegen Sprech-Schwierigkeiten.
 
Motivation: Sowohl die Sorge vor dem weiteren gesundheitlichen Niedergang, als auch eine entschiedene Abneigung der Patientin, in ihrem Zustand noch soziale Kontakte zu pflegen.

Fall 2: Alter: 86; Geschlecht: weiblich; Ort: Zuhause (NL)

Persönlichkeit: ausgeglichen, stark, autonom, verantwortungsbewußt;

Vorgeschichte: Wiederholte Durchblutungsstörung des Gehirns; Altersdiabetes, vermutlich Ursache eines unerwarteten Rückgangs der Sehkraft;

Motivation: Sorge vor Schlaganfall; keine Bereitschaft, in ein Pflegeheim zu kommen; Gefühl, das Leben lange genug genossen zu haben, so dass es jetzt auch zum Ende kommen dürfe;

Entscheidungsfindung: in gutem Einvernehmen mit Arzt und Angehörigen;

Fall 3: Alter: 84; Geschlecht: männlich; Ort: gerontologische Reha (NL)

Persönlichkeit: Keine Informationen; es handelte sich um einen Bankmanager im Ruhestand.

Vorgeschichte: Unterschenkelamputation; Diabetes mit Netzhautschädigung.
 
Motivation: Bereits mehrere Jahre lang erheblich verringerte Lebensfreude dank Verlust der Ehefrau.  Unterschenkelamputation und Aussicht, das, was ihm noch Freude gemacht hatte – Gartenarbeit – aufgeben zu müssen.

Fall 4: Alter: 86; Geschlecht: männlich; Ort: Seniorenappartement (NL)

Persönlichkeit: Erfolgreicher Jurist i.R., energisch, mit breiten Interessen.

Vorgeschichte: Körperlich rüstig und gesund, aber seit einem Jahr in tiefer Trauer wegen des Todes seiner Frau, die mit ihm alles geteilt hatte und ihm alles bedeutet hatte (das Paar hatte keine Kinder). Psychiatrische und psychotherapeutische Bemühungen zeigten ihm keine Erfolgsaussichten.
 
Motivation:  Bewertung der guten Vergangenheit als unwiederbringbar; Unlust, nun noch einen neuen Anfang zu versuchen.

Fall 5: Alter: 58; Geschlecht: Männlich; Ort: Zuhause (GB)

Persönlichkeit: Beruf: Bauingenieur; Sportler, Globetrotter, Familienvater. Scharfsinnig, humorvoll, sehr energisch und gut sozialisiert.

Vorgeschichte: Mit 51 Jahren erlitt er einen Schlaganfall, nach dem er fast vollständig gelähmt war (Locked-in-Syndrom; Kommunikation nur noch durch Augenbewegungen, die einen Computer steuern)

Motivation: Beklemmendes Erleben der Hilflosigkeit und des Angewiesenseins auf eine mühsame Technik der Kommunikation; Furcht vor solch einer Existenz in höherem Alter.

Fall 6: Alter 80; Geschlecht: weiblich; Ort: Gerontologisches Pflegeheim (Südafrika)

Persönlichkeit: Zurückhaltend, aber energisch, sehr Ordnung liebend.

Vorgeschichte: 2008 wurde ein Kolon-Karzinom festgestellt, das erfolgreich behandelt werden konnte, doch 2009 stellten sich Metastasen im Gehirn heraus, die zunächst noch behandelt wurden.

Motivation: Schlechtes Befinden und Sorge, allmählich dahinzusiechen. Dies mitzuerleben, wollte sie vor allem ihrem Ehemann ersparen. Zusätzlich Sorge, bei Verlust des Bewußtseins künstlich weiter ernährt zu werden.

Fall 7: Alter 66; Geschlecht: männlich; Ort: Zuhause (USA)

Persönlichkeit: Radiologe i. R.; wurde als stolze Persönlichkeit beschrieben; schätzte u. a. intellektuelle Fähigkeiten und eine gute körperliche Kondition.

Vorgeschichte: Tumor (großes Glioblastom) im linken Parietal-Lappen des Großhirns, u. a. mit der Folge von Krämpfen. Der Patient wollte nur pharmakologische Symptomkontrolle, um zunächst noch eine gute Zeit mit seiner Familie erleben zu können.

Fall 8: Ehepaar; Alter: Sie 90, er 92: Ort: kurzzeitig angemietetes Haus (USA)

Persönlichkeit: Beide sozial engagiert (u. a. bei den Pfadfindern) und aktive Mitglieder der Presbytarian Church; leidenschaftliche Gärtner. Offenbar hoher Grad von Gemeinschaftlichkeit bei ihren Aktivitäten.

Fall 9: Alter 74; Geschlecht: männlich; Ort: Pflegeheim (NL)

Persönlichkeit: Jemand, der stets genau wusste, was er wollte; Perfektionist. Konnte sehr energisch in der Kommunikation werden und versuchte gern, seinen Willen durchzusetzen. Was ihn interessierte (etwa Musik oder Wein), dem gab er sich passioniert hin. Beruf nicht bekannt.

Vorgeschichte: Litt sei 10 Jahren an Parkinson und war dadurch sehr beeinträchtigt (konnte z. B. nur noch mühsam gehen).

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