Einführung

Sterbefasten – Ein Ausweg am Lebensende

Wenn das Leben durch Alter und/oder Leiden zur Last wird, möchte man irgendwann vielleicht den Tod „herbeirufen“, doch wenn er nicht kommen will, stellt sich die Frage, ob man warten oder sein Schicksal selbst in die Hand nehmen will. Man wird dann möglicherweise zu schwach sein, sich auf geeignete Weise das Leben zu nehmen oder bei solch einem Versuch scheitern, sei es am Widerstand anderer, sei es durch ein Misslingen – mit oft sehr traurigen Folgen.

Hierzu gibt es eine Alternative: Man unterlässt das, was natürlicher Weise dem Erhalt des Lebens dient und hört auf zu essen und zu trinken. Schon in der Antike wurde diese Möglichkeit des Sterbens im Alter beschrieben, und vermutlich wird überall auf der Welt immer wieder dieser Ausweg am Lebensende beschritten. Doch ist das Wissen hierüber nicht allgemein verbreitet, und immer wieder „erfinden“ einzelne diese Möglichkeit für sich neu.

Titelbild

Das jetzt in der vierten Auflage erschienene Buch „Ausweg am Lebensende“ soll dies nun ändern. Erstmals wird das gegenwärtige Wissen über diesen Ausweg, genaue Angaben darüber, was zu tun ist, sowie ethische und juristische Abwägungen, der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Manche werden das Versterben aufgrund eines Freiwilligen Verzichts auf Nahrung und Flüssigkeit (im Folgenden kurz FVNF) als einen natürlichen Tod betrachten. Aus Sicht von Juristen und Ärzten ist dies zwar nicht so, aber es gibt keine triftigen juristischen oder medizinischen Gründe (außer bei jüngeren Menschen), die prinzipiell gegen diesen freiwilligen Abschied vom Leben sprechen (zumal in Deutschland selbst ein Suizid, sowie die Beihilfe dazu, straffrei sind).

Mancher schwer an Krebs leidende Mensch isst und trinkt nur noch wenig, weil der Lebenswille erlischt, und wenn er über FVNF Bescheid wüsste, würde er vielleicht ganz damit aufhören, um endlich sterben zu können.

Weltanschauliche Barrieren, Unsicherheiten bei manchen Ärzten, der Vorrang der Effizienz im Pflegebereich und die Vermarktungspolitik der medizintechnischen und pharmazeutischen Industrie, führen bei Patienten, bei denen man den Sterbewunsch respektieren möchte, oft dazu, dass eine „Magensonde“, meist eine PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie) gelegt wird. Diese Technik, die in manchen medizinischen Situationen als vorübergehende Notmaßnahme ein Segen ist, entwickelt sich – nicht zuletzt in Deutschland – für viele alte Menschen eher zu einem Fluch.

Natürlich beunruhigt jeden bei FVNF zuallererst die Frage, ob das nicht auf ein grausames Verdursten hinausläuft. Es gibt inzwischen genügend Belege dafür, dass dies bei fachgerechter Pflege nicht der Fall ist. Das Sterben durch FVNF ist nicht ganz frei von Leid (zumal die Grunderkrankung weiter wirkt). Das Durstgefühl lässt sich jedoch durch gute Mundpflege meist in erträglichen Grenzen halten. Viele Patienten werden jedoch an manchen Tagen einen Arzt um ein Medikament bitten, damit sie FVNF besser bewältigen können. Ohne palliative ärztliche Begleitung kann der Weg (muss aber nicht) schwer werden. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass man es sich immer wieder überlegen kann und sich evtl. doch zum Weiterleben zu entschließen.

Für einen guten Verlauf von FVNF ist es nötig, sich im Voraus um gute palliative Betreuung zu kümmern und Vorsorge für eine perfekte Mundpflege zu treffen. Wie dies im Einzelnen geschehen sollte ist in dem Buch eingehend beschrieben.

Dass man das Leben nach einer autonomen Entscheidung eines Tages durch FVNF beenden kann und hierfür keine schwierigen, z. T. rechtlich bedenklichen Vorbereitungen nötig sind, wird für manche etwas Befreiendes und Beruhigendes sein. Das gilt nicht nur für die, die über ihren Tod nachdenken, sondern auch für diejenigen, die Sterbende im Sinne der Hospiz-Idee begleiten: Sie können die Frage, ob der Tod denn nicht etwas eher kommen könnte, in manchen Fällen beantworten, indem sie mit den PatientInnen über FVNF sprechen und ihre Unterstützung auf diesem Wege anbieten.

Interview mit Dr. Christian Walther, Autor von "Ausweg am Lebensende" ...

Eine ausführliche Rezension von Prof. Dr. Norbert Erlemeier auf socianet ...